zip
„To zip“ bedeutet zunächst einmal „einen Reißverschluss betätigen“. Das musikalische Material besteht dabei aus lauter Geräuschen, die beim Betätigen von Reißverschlüssen entstehen (zerreißendes Papier, Guero, Reco-Reco, Marimba mit Reibstock, Flöte mit Jet-Whistle etc.). Für die musikalische Entwicklung sind lediglich das Tempo des Vorgangs („ffft“ versus „ffffffffrrrrrrrrrt“) und die Richtung der Geste (nach oben oder unten) entscheidend. Die Variante „stockender Reißverschluss“ erzeugt schließlich lange Ketten von kurzen, asymmetrischen Impulsen („ft – ftft – frrrrrt – ftftft – ft ...“), die auch überlagert werden können.
Der Zip findet sich auch beim amerikanischen Maler Barnett Newman (1905–1970), der in seiner Bilderserie „Onement“ (1948–1953) sein später fast obsessiv gepflegtes Leitmotiv fand. Es besteht aus einer monochromen Fläche, die von einem andersfarbigen, von unten nach oben verlaufenden Streifen durchquert wird. Newman selbst bezeichnete diesen Streifen als „Zip“. Der „Zip“ von Newman hat allerdings eine ganz andere Funktion als der herkömmliche „Zipper“.
„Ich empfinde, dass mein Zip meine Gemälde nicht teilt ... Er macht genau das Gegenteil: Er vereinigt das Ding. Er schafft eine Ganzheit (‚Totality‘)“ (Barnett Newman: Selected Writings and Interviews, Univ. of California Press, 1992).
Eine weitere, gewissermaßen digitalisierte Lesart von „Zip“ wäre das Komprimieren von Dateien. Dabei wird das gesamte Material des bisherigen Stücks komprimiert, das heißt, die rhythmischen Figuren verkürzen sich proportional oder Dinge, die nacheinander gespielt wurden, werden nun gleichzeitig übereinandergestapelt. Es geht also um eine Art aufsummierte Reprise in stetigem Accelerando, die für eine bessere Verständlichkeit des Vorgangs von Pausen durchsetzt ist. Dieses Verfahren lässt sich bis zur Absurdität fortsetzen. Tatsächlich wird das gesamte Material des Stücks im letzten Takt bis zur Unkenntlichkeit zusammengestaucht.
UA 13.12.2016, Genève
Ensemble Contrechamps, Ltg. Michael Wendeberg